Immobilien-ABC

Immobilienkauf per Darlehen: Was bei der Baufinanzierung wirklich zählt

Eine Baufinanzierung bezeichnet die langfristige Fremdfinanzierung eines Immobilienkaufs oder Hausbaus, in der Regel über ein grundschuldgesichertes Bankdarlehen. Sie ist für die meisten Menschen die größte finanzielle Verpflichtung ihres Lebens – mit einer typischen Laufzeit von zwanzig bis fünfunddreißig Jahren. Entscheidend für tragfähige Konditionen sind ausreichendes Eigenkapital, eine solide Bonität und eine durchdachte Zinsstrategie.

Eigenkapital und Beleihung

Als Faustregel gilt: Mindestens zwanzig bis dreißig Prozent des Kaufpreises sollten aus eigenen Mitteln stammen. Hinzu kommen die Kaufnebenkosten, die – je nach Konstellation – zehn bis fünfzehn Prozent des Kaufpreises ausmachen können und üblicherweise vollständig aus Eigenkapital zu bestreiten sind. Je höher der Eigenkapitalanteil, desto besser fallen die Zinskonditionen aus, weil das Risiko für die Bank sinkt.

Banken bewerten die Immobilie intern mit einem konservativeren Beleihungswert, der in der Regel unter dem tatsächlichen Marktwert liegt. Finanzierungen oberhalb von achtzig Prozent des Beleihungswerts werden mit Risikoaufschlägen belegt. Wer keine ausreichenden Eigenmittel aufbringen kann, findet zwar auch Vollfinanzierungen, zahlt dafür aber spürbar höhere Zinsen und trägt ein deutlich größeres Risiko.

Als Ergänzung zum klassischen Bankdarlehen kommen zinsgünstige KfW-Förderkredite in Frage, etwa für energieeffizientes Bauen oder Sanieren, sowie Bauspardarlehen, die sich kombinieren lassen.

Zinsen, Tilgung und Laufzeit

Das Annuitätendarlehen ist die verbreitetste Finanzierungsform: Die monatliche Rate bleibt über die gesamte Zinsbindungsphase konstant, wobei sich das Verhältnis von Zins- und Tilgungsanteil im Zeitverlauf verschiebt – anfangs überwiegt der Zinsanteil, mit jeder Zahlung wächst der Tilgungsanteil.

Die Zinsbindung legt fest, für welchen Zeitraum der vereinbarte Zinssatz gilt. Kurze Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren bieten anfänglich niedrigere Zinsen, bergen aber das Risiko eines deutlich teureren Anschlussdarlehens. Bei einem Zinsumfeld auf niedrigem Niveau empfiehlt sich eine längere Bindung von fünfzehn bis zwanzig Jahren, um Planungssicherheit zu gewinnen.

Eine Anfangstilgung von mindestens zwei bis drei Prozent sorgt dafür, dass die Schulden in einem vertretbaren Zeitraum abgebaut werden. Sinnvoll ist es, vertraglich das Recht auf jährliche Sondertilgungen zu vereinbaren – üblicherweise fünf bis zehn Prozent der Darlehenssumme –, da sich damit Zinskosten erheblich reduzieren lassen.

Kaufnebenkosten realistisch einplanen

Die Nebenkosten beim Immobilienerwerb werden häufig unterschätzt. Der größte Einzelposten ist die Grunderwerbsteuer: Bayern erhebt mit 3,5 Prozent des Kaufpreises den bundesweit niedrigsten Satz – ein konkreter Vorteil gegenüber Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein, wo 6,5 Prozent fällig werden. Gerade in Lagen wie Murnau am Staffelsee oder im Raum Garmisch-Partenkirchen, wo Kaufpreise im hochpreisigen Segment liegen, macht dieser Unterschied schnell einen fünfstelligen Betrag aus.

Hinzu kommen die Notarkosten für Beurkundung und Grundbucheintragung, die sich bundeseinheitlich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz richten und sich insgesamt auf etwa 1,5 bis 2,0 Prozent des Kaufpreises belaufen. Seit Dezember 2020 ist die Maklerprovision gesetzlich aufgeteilt: Käufer und Verkäufer tragen je maximal 3,57 Prozent inkl. MwSt., sofern der Makler für beide Seiten tätig ist. Diese Nebenkosten müssen stets aus vorhandenen Mitteln bestritten werden – keine Bank wird sie finanzieren.

Risiken kennen und absichern

Das größte Risiko bei langen Laufzeiten ist das Zinsänderungsrisiko: Wenn die Zinsbindung ausläuft und der Marktzins zwischenzeitlich gestiegen ist, verteuert sich die Anschlussfinanzierung spürbar. Wer rechtzeitig – bis zu fünf Jahre vorher – über ein sogenanntes Forward-Darlehen die künftigen Zinsen sichert, zahlt zwar einen moderaten Aufschlag, gewinnt aber Planungssicherheit.

Daneben sollte eine Liquiditätsreserve von mindestens drei bis sechs Monatsraten eingeplant werden, um unvorhergesehene Einkommensausfälle zu überbrücken. Bei der Anschlussfinanzierung lohnt der Vergleich: Eine Prolongation beim bisherigen Kreditgeber ist bequem, aber nicht zwingend die günstigste Lösung. Nach zehn Jahren Laufzeit besteht gesetzlich das Recht zur Kündigung mit sechsmonatiger Frist, was einen Wechsel zu einem anderen Anbieter ermöglicht.

Finanzierung solide strukturieren

Eine tragfähige Baufinanzierung steht auf mehreren Säulen: maximales Eigenkapital, eine realistische Tilgungsrate, vertraglich vereinbarte Flexibilität durch Sondertilgungsrechte und eine auf die aktuelle Zinssituation abgestimmte Bindungsdauer. Vor Abschluss sollten mindestens drei bis fünf Angebote eingeholt und anhand des effektiven Jahreszinses verglichen werden – nur dieser ermöglicht einen vollständigen Kostenvergleich. Ergänzend empfiehlt es sich, verfügbare Förderprogramme der KfW zu prüfen, bevor die Finanzierungsstruktur festgelegt wird.

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