Immobilien-ABC

Geliehene Mittel für den Immobilienkauf – Formen, Konditionen und Risiken im Überblick

Wer eine Immobilie erwirbt, ohne den Kaufpreis vollständig aus eigenen Mitteln aufbringen zu können, greift auf Fremdkapital zurück – also auf geliehene Gelder, die zu vereinbarten Konditionen verzinst und innerhalb einer festgelegten Laufzeit zurückgeführt werden müssen. Das Bankdarlehen ist dabei die verbreitetste Form, daneben existieren Bauspar- und staatliche Förderdarlehen. Eigenkapital und Fremdkapital zusammen bilden die Finanzierungsstruktur eines Immobilienkaufs.

Formen des Fremdkapitals

Das klassische Bankdarlehen wird in der Regel als Annuitätendarlehen gewährt: Die monatliche Rate bleibt über die gesamte Zinsbindungsdauer konstant, wobei sich das Verhältnis von Zins und Tilgung mit fortschreitender Rückzahlung kontinuierlich verschiebt. Daneben gibt es variable Darlehen, deren Zinssatz sich an einem Referenzzins orientiert und entsprechend schwanken kann, sowie Volltilgerdarlehen, bei denen die Restschuld am Ende der Zinsbindung vollständig abgetragen ist. Die Besicherung erfolgt üblicherweise durch eine erstrangige Grundschuld im Grundbuch – in Oberbayern liegt die Zuständigkeit dafür beim Grundbuchamt Weilheim.

Bauspardarlehen folgen einem zweistufigen Modell: Auf eine Ansparphase mit festgelegter Einzahlungsquote folgt die Zuteilungsphase, in der das Darlehen zu einem bereits bei Vertragsabschluss vereinbarten Zinssatz ausgezahlt wird. Das macht diese Form besonders interessant, wenn mittelfristig steigende Kapitalmarktzinsen erwartet werden. Ergänzend bieten die KfW-Förderbank und regionale Förderinstitute zinsgünstige Darlehen an, etwa für energetische Sanierungen oder den Neubau nach aktuellen Effizienzstandards.

Beleihung und Kreditkonditionen

Banken legen ihrer Finanzierungsentscheidung den sogenannten Beleihungswert zugrunde – eine konservative Schätzung des langfristigen Immobilienwertes, die in der Regel unterhalb des tatsächlichen Marktpreises liegt. Je geringer der Anteil des Darlehens am Beleihungswert ausfällt, desto günstiger sind die Zinskonditionen: Bis zu 60 Prozent des Beleihungswertes erhalten Kreditnehmer typischerweise die besten Zinssätze. Übersteigt das Darlehen 80 Prozent, verlangen die meisten Banken deutliche Zinsaufschläge; eine Vollfinanzierung ohne Eigenkapital ist zwar möglich, aber teuer und mit erheblichen Risiken verbunden.

Für den Konditionenvergleich ist der Effektivzins maßgeblich, da er sämtliche im Zusammenhang mit dem Darlehen anfallenden Kosten einschließt. Die individuelle Bonität des Kreditnehmers beeinflusst den angebotenen Zinssatz erheblich. Längere Zinsbindungen – von zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren – bieten Planungssicherheit, werden aber mit einem Zinsaufschlag gegenüber kurzlaufenden Bindungen bepreist. Gerade im gehobenen Marktumfeld rund um Murnau und den Staffelsee, wo Kaufpreise für lagestarke Objekte vergleichsweise hoch sind, lohnt sich ein sorgfältiger Vergleich mehrerer Angebote.

Tragfähigkeit und Nebenkosten der Finanzierung

Eine solide Finanzierung setzt voraus, dass der monatliche Kapitaldienst – also Zins und Tilgung zusammen – dauerhaft aus dem laufenden Einkommen geleistet werden kann. Als Orientierungswert gilt, dass die Belastung nicht mehr als 30 bis 40 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens ausmachen sollte. Darüber hinaus ist eine finanzielle Reserve für ungeplante Ausgaben einzuplanen.

Neben den reinen Zinskosten entstehen beim Fremdkapitaleinsatz weitere Aufwendungen: Die notarielle Beurkundung der Grundschuld ist bundeseinheitlich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz geregelt und schlägt mit einem Anteil von Beleihungsbetrag zu Buche. Hinzu kommen eventuell Bereitstellungszinsen, falls die Auszahlung des Darlehens sich – etwa bei Neubauprojekten – verzögert. Die in Bayern geltende Grunderwerbsteuer von 3,5 Prozent ist zwar keine Fremdkapitalkomponente, reduziert aber das verfügbare Eigenkapital und erhöht damit indirekt den Fremdkapitalbedarf.

Risiken und Absicherung

Das zentrale Risiko bei langfristigen Immobilienfinanzierungen ist das Zinsänderungsrisiko: Läuft die Zinsbindung aus und sind die Kapitalmarktzinsen bis dahin gestiegen, verteuert sich die Anschlussfinanzierung spürbar. Wer das vermeiden möchte, kann frühzeitig ein Forward-Darlehen abschließen oder von Anfang an auf ein Volltilgerdarlehen setzen. Bei einer Vollfinanzierung droht zusätzlich ein Überschuldungsrisiko, falls der Immobilienwert sinkt und die Restschuld den Verkaufserlös übersteigt – ein Szenario, das durch einen angemessenen Eigenkapitalpuffer zuverlässig begrenzt werden kann. Zur persönlichen Absicherung empfiehlt sich je nach Situation eine Risikolebensversicherung, die im Todesfall des Hauptverdieners die verbleibende Restschuld tilgt.

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