Unter Abdichtung versteht man sämtliche baulichen Maßnahmen, die verhindern, dass Wasser, Feuchtigkeit oder andere Flüssigkeiten in Gebäudeteile eindringen. Je nach Angriffsrichtung des Wassers unterscheidet man zwischen der Bauwerksabdichtung – etwa gegen aufsteigende Bodenfeuchte oder drückendes Grundwasser – und der Dachabdichtung gegen Niederschläge. Wird sie mangelhaft ausgeführt oder vernachlässigt, drohen Feuchtigkeitsschäden, Schimmelbefall und ein spürbarer Wertverlust der Immobilie.
Arten der Abdichtung
Je nach Lage und Beanspruchung kommen unterschiedliche Abdichtungsprinzipien zum Einsatz. Die Horizontalsperre wirkt gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit in Mauerwerk und wird als durchgehende Sperrschicht im Wandquerschnitt eingebaut. Die Vertikalabdichtung schützt erdberührte Außenwände davor, dass seitlich eindringendes Wasser in die Konstruktion gelangt. Auf Flachdächern kommt die Dachabdichtung mit Bitumenbahnen, Kunststofffolien oder Flüssigabdichtungen zum Einsatz. Wenn eine Außenabdichtung – etwa bei beengten Verhältnissen in Altbauten – nicht möglich ist, bleibt die Innenabdichtung als Alternative, die von der Raumseite aus aufgebracht wird.
Gerade im Alpenvorland rund um Murnau am Staffelsee und den Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist eine fachgerecht ausgeführte Abdichtung besonders relevant: Starkregen, Hangwasser und lokal hohe Grundwasserstände stellen erhöhte Anforderungen an erdberührte Bauteile.
Materialien im Überblick
Die Wahl des richtigen Abdichtungsmaterials hängt von der Wassereinwirkungsklasse, der Bauteilgeometrie und dem Untergrund ab:
- Bitumenbahnen gelten als bewährtes Standardmaterial für Kelleraußenwände und Flachdächer; sie werden verschweißt oder verklebt.
- Kunststoffbahnen aus EPDM, PVC oder FPO zeichnen sich durch hohe Flexibilität und Langlebigkeit aus.
- Mineralische Dichtschlämmen auf Zementbasis eignen sich besonders für erdberührte Bauteile und lassen sich auch auf feuchten Untergründen verarbeiten.
- Flüssigkunststoff erzeugt eine nahtlose Beschichtung und ist ideal, wenn Anschlüsse, Kehlen oder unregelmäßige Geometrien abgedichtet werden müssen.
- Bentonitmatten enthalten quellfähigen Ton, der sich bei Kontakt mit Wasser selbst verdichtet und kleinere Beschädigungen eigenständig schließt.
Normen und fachliche Anforderungen
Seit Ablösung der alten DIN 18195 gilt für die Abdichtung erdberührter Bauteile die DIN 18533. Sie definiert vier Wassereinwirkungsklassen – von einfacher Bodenfeuchte (W1-E) bis zu stark drückendem Wasser (W4-E) – und legt fest, welche Materialien und Schichtdicken je nach Beanspruchung erforderlich sind. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Rissüberbrückungsfähigkeit: Gute Abdichtungssysteme können Risse im Untergrund bis zu einer definierten Breite überbrücken, ohne ihre Schutzwirkung zu verlieren. Die fachgerechte Ausführung durch qualifizierte Betriebe nach Herstellervorgaben ist Voraussetzung dafür, dass die Abdichtung im Schadensfall als mangelfrei gilt.
Sanierung einer undichten Abdichtung
Zeigen sich Feuchtigkeitsschäden an bestehenden Gebäuden, stehen je nach Situation verschiedene Sanierungsverfahren zur Verfügung. Bei aufsteigender Feuchtigkeit in Wänden kann eine nachträgliche Horizontalsperre durch Injektionsverfahren, Mauersägen oder – weniger verbreitet – Elektroosmose hergestellt werden. Ist die Außenabdichtung eines Kellers schadhaft, muss sie durch Freilegung der Kellerwände erneuert werden; bei hohem Grundwasserstand empfiehlt sich zusätzlich eine Drainage, die das Wasser aktiv ableitet. Die Kosten variieren erheblich je nach Verfahren, Bauteiltiefe und Zugänglichkeit – eine belastbare Einschätzung erfordert immer eine Ortsbesichtigung durch einen Fachbetrieb.
