Immobilien-ABC

Der wahrscheinlich erzielbare Preis einer Immobilie unter realen Marktbedingungen

Der Marktwert einer Immobilie ist der Preis, den ein informierter Käufer unter normalen Wettbewerbsbedingungen und ohne besonderen Zeitdruck für das Objekt zahlen würde. Rechtlich ist dieser Begriff deckungsgleich mit dem Verkehrswert nach § 194 BauGB – beide Begriffe beschreiben denselben Sachverhalt. Der Marktwert bildet die objektive Grundlage für Kaufpreisverhandlungen, Bankfinanzierungen und steuerliche Bewertungen gleichermaßen.

Wie der Marktwert ermittelt wird

Für die Wertermittlung stehen drei anerkannte Verfahren zur Verfügung, die je nach Immobilientyp unterschiedlich zur Anwendung kommen. Beim Vergleichswertverfahren werden tatsächlich erzielte Kaufpreise vergleichbarer Objekte herangezogen – ein Ansatz, der bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern in gefragten Lagen wie Murnau am Staffelsee besonders aussagekräftig ist, sofern ausreichend Vergleichsdaten vorliegen. Das Ertragswertverfahren orientiert sich an den nachhaltig erzielbaren Mieteinnahmen und wird vorwiegend bei vermieteten Mehrfamilienhäusern oder Kapitalanlageobjekten eingesetzt. Das Sachwertverfahren schließlich bewertet Grundstück und bauliche Anlagen separat und findet vor allem dann Verwendung, wenn Vergleichspreise fehlen oder das Objekt überwiegend selbst genutzt wird.

Zertifizierte Sachverständige erstellen Wertgutachten auf Basis dieser Verfahren und orientieren sich dabei an den Vorgaben der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV). Die lokalen Gutachterausschüsse – im Landkreis Garmisch-Partenkirchen beim Landratsamt angesiedelt – veröffentlichen regelmäßig Bodenrichtwerte und Marktberichte, die als wichtige Datengrundlage in jede seriöse Bewertung einfließen.

Einflussfaktoren im Alpenvorland

Kein einzelner Faktor bestimmt den Marktwert allein – er ergibt sich aus einem Zusammenspiel verschiedener Größen. Die Lage hat dabei erfahrungsgemäß das größte Gewicht: Seenähe zum Staffelsee oder Riegsee sowie ein freier Bergblick können den Wert eines Objekts gegenüber vergleichbaren Immobilien ohne diese Lagequalität deutlich anheben. Hinzu kommen Baujahr, Grundrissqualität, energetischer Zustand und die Ausstattung des Gebäudes.

Auf makroökonomischer Ebene wirken Zinsniveau, Kaufkraftentwicklung und die demographische Nachfrage. Im Raum Murnau und dem Blauen Land spielt außerdem der hohe Anteil an Zweitwohnungskäufern und Kapitalanlegern eine eigenständige Rolle: Diese Käufergruppen reagieren auf Marktveränderungen mitunter anders als Eigennutzer, was die Preisentwicklung von der anderer Regionen entkoppeln kann. Weil sich all diese Faktoren im Lauf der Zeit verschieben, ist ein Marktwert stets eine Momentaufnahme und sollte vor einem Verkauf neu ermittelt werden.

Bedeutung für Kauf, Verkauf und Finanzierung

Ein realistisch ermittelter Marktwert schützt beide Seiten: Verkäufer vermeiden, Erlöspotenzial zu verschenken; Käufer schützen sich davor, einen Preis zu zahlen, der langfristig nicht durch den Substanz- oder Ertragswert gedeckt ist. Für die finanzierende Bank ist der Marktwert die maßgebliche Grundlage zur Berechnung des Beleihungswerts – liegt der vereinbarte Kaufpreis darüber, müssen Käufer in der Regel einen höheren Eigenkapitalanteil einbringen.

Auch bei Erbschaften, Schenkungen und Scheidungsverfahren ist die belastbare Ermittlung des Marktwerts rechtlich relevant. In Bayern fällt beim Kauf einer Immobilie mit 3,5 % die bundesweit niedrigste Grunderwerbsteuer an – der tatsächliche Kaufpreis, der sich am Marktwert orientiert, ist dabei die Bemessungsgrundlage. Ein professionelles Gutachten oder eine fundierte Maklereinschätzung schafft hier die notwendige Transparenz für alle Beteiligten.

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