Regenwassernutzung bezeichnet den gezielten Umgang mit gesammeltem Niederschlagswasser als Ergänzung zur Trinkwasserversorgung. Dachflächen leiten das Wasser in Speicherbehälter, von wo es für definierte Anwendungen im Haus und Garten verwendet wird. Ziel ist die Schonung von Trinkwasserressourcen sowie eine spürbare Reduktion der Wasserkosten – ein Aspekt, der gerade bei größeren Immobilien mit weitläufigen Gartenflächen, wie sie im Alpenvorland rund um Murnau am Staffelsee häufig anzutreffen sind, wirtschaftlich ins Gewicht fällt.
Wofür sich Regenwasser eignet – und wofür nicht
Die zulässigen Einsatzbereiche sind klar definiert: Gartenbewässerung, Toilettenspülung, Teich- und Poolbefüllung sowie Gebäudereinigung sind unproblematisch. Mit entsprechender Aufbereitung kann Regenwasser auch in der Waschmaschine eingesetzt werden. Ausgeschlossen bleibt hingegen jede direkte Verwendung für Trinkwasser, Körperpflege, Lebensmittelzubereitung oder das Reinigen von Geschirr. Die strikte Trennung dieser Nutzungsbereiche ist nicht nur eine Frage der Hygiene, sondern auch gesetzlich vorgeschrieben.
Technik und Systemaufbau
Eine vollständige Regenwasseranlage besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Komponenten: Die Dachfläche dient als Sammelfläche und leitet das Wasser über Grob- und Feinfilter in eine unterirdische Zisterne oder einen Erdtank. Eine Pumpe verteilt das Wasser über ein vom Trinkwassernetz vollständig getrenntes Leitungssystem. Eine automatische Nachspeisung gleicht Engpässe bei längerer Trockenheit aus. Sämtliche Entnahmestellen und Leitungen müssen klar als Brauchwasser gekennzeichnet sein – das ist Pflicht, keine Empfehlung.
Für die Dimensionierung gilt als grober Anhaltspunkt: Pro Quadratmeter Dachfläche lassen sich im Jahresmittel etwa 50 bis 80 Liter nutzbares Regenwasser rechnen. Bei einem Einfamilienhaus mit vier Bewohnern und rund 100 Quadratmetern Dachfläche empfiehlt sich eine Speicherkapazität von 5.000 bis 7.000 Litern, wenn sowohl Toilettenspülung als auch Gartenbewässerung versorgt werden sollen. Im Optimum können bis zu 50 Prozent des Trinkwasserverbrauchs substituiert werden.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Eine vollständig installierte Hausanlage mit Erdtank, Filtertechnik und Hausdruckanlage liegt erfahrungsgemäß zwischen etwa 4.800 und 7.500 Euro. Die jährliche Einsparung hängt vom lokalen Wasserpreis ab und bewegt sich für einen typischen Haushalt im mittleren dreistelligen Bereich – die Amortisationszeit liegt bei solchen Komplettanlagen in der Regel zwischen 15 und 25 Jahren. Wer Regenwasser ausschließlich für den Garten nutzen möchte, kommt mit einer einfachen Zisterne für wenige Hundert Euro aus und erreicht die Wirtschaftlichkeit deutlich schneller.
Im Überblick: Was eine durchdachte Anlage leisten kann
- Einsparung von bis zu 50 Prozent des Trinkwasserverbrauchs bei konsequenter Nutzung für WC und Waschmaschine
- Reduzierung der Abwassergebühren, da weniger Niederschlagswasser in die Kanalisation eingeleitet wird
- Unabhängigkeit von Wasserpreisschwankungen für nicht trinkwasserpflichtige Anwendungen
- Beitrag zur Versickerung und damit zur lokalen Grundwasserneubildung
- Wertsteigerungspotenzial bei Immobilien mit nachweislich nachhaltiger Gebäudetechnik
Rechtliche Pflichten im Überblick
Die technischen Mindestanforderungen regelt die DIN 1989, die unter anderem die strikte Leitungstrennung und die Kennzeichnungspflicht festschreibt. Darüber hinaus besteht in den meisten Bundesländern – auch in Bayern – eine Anzeigepflicht gegenüber dem zuständigen Gesundheitsamt sowie dem örtlichen Wasserversorger. Zisternen sind in der Regel genehmigungsfrei, jedoch sollte die Versickerung des Überlaufs vorab mit der zuständigen Gemeinde oder dem Landratsamt abgestimmt werden. Für Immobilien im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist hierfür das Landratsamt in Garmisch-Partenkirchen die erste Anlaufstelle.
