Immobilien-ABC

Wenn weniger ausgezahlt wird, als vereinbart: Was das Disagio bedeutet und wann es eine Rolle spielt.

Das Disagio – auch als Damnum oder Abgeld bekannt – beschreibt die Differenz zwischen dem vereinbarten Darlehensnennbetrag und dem Betrag, der dem Kreditnehmer tatsächlich ausgezahlt wird. Wer also ein Darlehen über 100.000 Euro mit einem Disagio von vier Prozent aufnimmt, erhält lediglich 96.000 Euro auf sein Konto überwiesen, muss jedoch die vollen 100.000 Euro verzinsen und tilgen. Im Gegenzug wird der Nominalzins entsprechend gesenkt.

Funktionsweise und Wirtschaftlichkeit

Das Disagio verschiebt einen Teil der Zinskosten an den Anfang der Finanzierung: Die Bank zieht den vereinbarten Prozentsatz direkt von der Darlehenssumme ab, bevor das Geld ausgezahlt wird. Der Kreditnehmer profitiert dafür über die gesamte Laufzeit von einem niedrigeren Nominalzins. Ob sich dieses Modell tatsächlich rechnet, lässt sich nicht pauschal sagen – entscheidend ist der Effektivzins, der sowohl den Nominalzins als auch das Disagio als Gesamtkosten abbildet. Nur wer beide Varianten auf Basis des Effektivzinses vergleicht, erkennt, welche Konditionen die günstigere Finanzierung darstellen. Gerade bei hochpreisigen Immobilien, wie sie im Alpenvorland rund um Murnau und den Staffelsee regelmäßig gehandelt werden, können solche Unterschiede in der Zinsstruktur bei großen Darlehenssummen spürbare Auswirkungen auf die Gesamtkosten haben.

Steuerliche Aspekte bei Vermietungsobjekten

Für Kapitalanleger, die eine Immobilie vermieten, kann das Disagio steuerlich interessant sein: Es gilt als vorausgezahlter Zinsanteil und ist grundsätzlich als Werbungskosten abzugsfähig. In der Regel wird es über die Zinsbindungsfrist oder die Laufzeit des Darlehens verteilt, unter bestimmten Voraussetzungen ist aber auch ein sofortiger Abzug im Jahr der Zahlung möglich. Wer hingegen selbst in der Immobilie wohnt, kann das Disagio steuerlich nicht geltend machen – die Eigennutzung schließt den Werbungskostenabzug aus. Angesichts des hohen Anteils an Kapitalanlegern und Zweitwohnungsbesitzern im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist dieser steuerliche Aspekt für einen relevanten Teil der Käufer in der Region durchaus praxisrelevant.

Bedeutung in der aktuellen Finanzierungspraxis

In der heutigen Kreditlandschaft begegnet man dem Disagio weitaus seltener als noch vor einigen Jahrzehnten. Banken bieten Immobiliendarlehen überwiegend zu einem Auszahlungskurs von 100 Prozent an, sodass das klassische Damnum-Modell zunehmend historischen Charakter hat. Wer ältere Bestandsverträge prüft oder eine Umschuldung plant, kann dem Begriff jedoch noch begegnen – und sollte dann genau hinsehen, ob das Disagio bei einer Neuverhandlung entfällt oder in die neuen Konditionen einfließt.

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